Was bedeutet der One-Stop-Shop (OSS) im E-Commerce für Fernverkäufe

Cross-border E-Commerce

19. Juli 2022

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OSS /

Steuern

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Was ist der One-Stop-Shop (OSS)? 

Der One-Stop-Shop ist kein Shop im herkömmlichen Sinne. OSS bedeutet, dass sämtliche bürokratischen Schritte zur Erreichung eines gewählten Zieles an einer einzigen zentralen Stelle erledigt werden können. Im Zuge der größten Umsatzsteuerreform Europas, die speziell für den E-Commerce gilt, ist der One-Stop-Shop das zentrale Element. In diesem Falle ist es eine Plattform des Bundeszentralamts für Steuern, über die Umsatzsteuermeldungen und -zahlungen zentral eingereicht und getätigt werden können. Hintergrund: Der grenzüberschreitende B2C-Handel innerhalb der EU soll somit vereinfacht werden.

Die Nutzung des OSS-Verfahrens ist dabei den Händlern freigestellt. Die Anmeldung erfolgt beim Bundeszentralamt für Steuern (BZSt).

 

Was ist der Mini-One-Stop-Shop (MOSS)? 

Der Mini-One-Stop-Shop ist der Vorläufer des OSS. Allerdings war der MOSS auf elektronische Dienstleistungen beschränkt:

 

  • Elektronisch übermittelte Dienstleistungen
  • Fernseh-, Rundfunk- und Telekommunikationsleistungen

 

Der OSS erweitert das MOSS-Verfahren um Waren und weitere Dienstleistungen.

 

Welchen Nutzen hat ein One-Stop-Shop?

Für Händler, die innerhalb Europas viele Fernverkäufe abwickeln, ist der One-Stop-Shop sehr nützlich. Denn die Umsatzsteuer (USt) in der EU ist komplex und aufwendig. Daher soll der One-Stop-Shop den innereuropäischen Handel für den E-Commerce und dessen Händler vereinfachen. So die Theorie. 

 

In der Praxis stellt die Reform die Onlinehändler vor einige Herausforderungen, da nicht alle Transaktionen über den OSS gemeldet werden können. Wird die Lieferschwelle von 10.000 Euro erreicht, wird man ab dem ersten Paket in jedem Bestimmungsland umsatzsteuerpflichtig. Das bedeutet, die Händler müssen sich in diesem Land steuerrechtlich registrieren lassen. Einige Stimmen sagen sogar, dass der OSS teilweise vor seiner Einführung überholt war. Denn der OSS ist nicht kompatibel, wenn man mit Fulfillment-Strukturen wie beispielsweise Amazon oder Zalando arbeitet.

 

Für wen gilt der One-Stop-Shop?

Ab dem 01. Juli 2021 gilt der OSS generell für alle Händler, die eine Lieferschwelle von 10.000 Euro netto pro Jahr überschreiten. Diese Summe setzt sich zusammen aus allen Lieferungen in das europäische Ausland innerhalb eines Jahres. Eine EU-Lieferschwelle sozusagen. Früher war die Lieferschwelle bei den meisten EU-Staaten bei 35.000 Euro netto pro Kalenderjahr, für Deutschland, die Niederlande und Luxemburg war die Grenze bei 100.000 Euro netto. Durch sowohl die Zusammenfassung als auch Herabstufung der Lieferschwelle werden auch kleinere Unternehmen diese Umsatzgrenze überschreiten. Dabei zählt der Wert aller Waren, die ins EU-Ausland geliefert werden.

 

Registrierung One-Stop-Shop

Die Anmeldung und Registrierung für den OSS erfolgt seit dem 01.10.2021 über das BOP-Portal. BOP ist ein Projekt des Bundeszentralamts für Steuern (BZSt), das die sichere elektronische Übermittlung von Steuerdaten zum Ziel hat. Neue Händler erstellen sich hier einen Account. Da die Beantragung und Bestätigung eines solchen Accounts Zeit in Anspruch nimmt, sollte man diesen rechtzeitig beantragen. Für die Teilnahme am OSS-Verfahren ist eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (USt.-IdNr) erforderlich. 

Der Registrierungsbeginn ist grundsätzlich der erste Tag des Kalendervierteljahres, welches auf die Antragstellung folgt. Das wären also folgende Daten:  1. Januar, 1. April, 1. Juli und 1. Oktober.

Ist man als Händler bereits für das Vorgängerverfahren Mini-One-Stop-Shop registriert, nimmt man automatisch an der Sonderregelung One-Stop-Shop teil. Auch ein Widerruf der Teilnahme ist möglich. Die Widerrufsfrist ist bis 15 Tage ab dem Beginn des neuen Besteuerungszeitraums möglich und wirkt sich auf diesem aus.

 

Pflichten One-Stop-Shop 

Entscheiden sich Händler für das One-Stop-Shop-Verfahren, fallen verschiedene steuerliche Pflichten an. Wie auch bei jeder anderen Steuererklärung geht es um deren fristgerechte Abgabe sowie anschließend um die termingerechte Zahlung.

Abgabe Steuererklärung

Die Steuererklärung ist bis zum Ende des Folgemonats nach einem Besteuerungsquartal (Kalendervierteljahr) zu übermitteln. Das wäre also

 

  • I. Kalendervierteljahr bis zum 30. April
  • II. Kalendervierteljahr bis zum 31. Juli
  • III. Kalendervierteljahr bis zum 31. Oktober
  • IV. Kalendervierteljahr bis zum 31. Januar des Folgejahres

 

Sollten keine Umsätze in einem Quartal generiert werden, muss trotzdem eine Steuererklärung als sog. Nullmeldung an das Bundesamt für Steuern übermittelt werden.<