Ab wann lohnt sich ein ERP-System? Die Anzeichen aus 1.148 Händler-Gesprächen

Von Christoph DanielVom 14. Oktober 2026

Eine Bestellung kommt rein. Jemand tippt sie in eine Tabelle ab, prüft den Bestand in einer zweiten Datei und schreibt die Rechnung in einem dritten Programm. Das ist aufwändig und kostet Zeit. Ab wann lohnt es sich diesen Prozess mit einem ERP zu machen?

Frau im grauen Pullover arbeitet am Laptop mit mehreren überlappenden Excel-Tabellen auf dem Bildschirm, daneben Kaffeetasse und Notizbuch, im Hintergrund ein helles Büro mit Zimmerpflanzen.

Das Wesentliche in Kürze

Ein ERP-System lohnt sich, sobald dein Team mehr Zeit mit dem Abgleich von Daten verbringt als mit Verkauf und Versand

Eine feste Grenze nach Aufträgen oder Mitarbeitenden gibt es nicht. Fünf Auslöser hören wir in Erstgesprächen immer wieder:

  • Excel und Einzelprogramme kommen nicht mehr hinterher.

  • Ein neuer Kanal lässt sich nicht anbinden.

  • Das Altsystem läuft aus oder schafft neue Pflichten wie die E-Rechnung nicht.

  • Der bisherige Anbieter erhöht die Preise.

  • Wissen über Abläufe steckt nur im Kopf einzelner Leute.

Trifft mehr als einer davon auf dich zu, dann solltest du jetzt nachrechnen.

So sind wir vorgegangen 

Wir haben 1.148 Erstgespräche mit 622 Betrieben ausgewertet. Sie wurden zwischen Januar und August 2026 geführt. Gespräche mit Bestandskund:innen haben wir nicht mitgezählt. Gezählt haben wir, welche Gründe Händler:innen für ein neues ERP nennen. Dabei ist Mehrfachnennung möglich.

Auslöser

Gespräche

Betriebe

Daten verteilt auf Excel und Einzeprogramme

268

198

Wachstum, neue Kanäle, neue Marken

237

193

Gesamtkosten und Einführungskosten

192

156

Altsystem läuft aus, neue Pflichten

92

75

Preiserhöhung beim bisherigen Anbieter

26

24

Schnittstellen oder Buchhaltung kommen in fast jedem ERP-Gespräch zur Sprache. Deshalb fehlen sie in der Tabelle. Sie zeigen kaum, was den Wechsel auslöst.

1. Deine Daten liegen in fünf Tabellen und keine stimmt 

Am häufigsten nennen Händler:innen Excel als Grund für den Wechsel. Viele Betriebe starten mit einer Tabelle für den Bestand, einem Rechnungsprogramm und einem Shop. Das funktioniert, solange eine Person den Überblick behält.

Dann wächst das Unternehmen und es kommen mehr Mitarbeitende dazu. Jede Datei hat eine eigene Version.

Ein Geschäftsführer aus dem B2B-Großhandel mit Lebensmitteln beschreibt es so: „Die Fehlerquellen sind einfach zu krass. Zu viele Leute arbeiten in Excel und Übertragung. Dann gibt es Versionsthemen auf Dropbox. Und auf einmal weißt du überhaupt nicht mehr, was stimmt.“

Das trifft auf dich zu, wenn:

  • du den Bestand in einer anderen Datei prüfst als die Aufträge

  • du Rechnungen von Hand aus Bestellungen abschreibst

  • du für die Steuerberatung CSV-Dateien exportierst und umbaust

  • nur eine Person weiß, welche Tabelle gerade aktuell ist

Bei Sternglas sind diese Dateien nach der Einführung verschwunden: "Viele Tabellen existieren jetzt gar nicht mehr." Das Team spart 20 Stunden pro Woche.

Lesetipp

Wo Excel an seine Grenze kommt, zeigen wir im Artikel Ist Excel ein ERP-System?

2. Dein Wachstum hängt am Abtippen 

Viele Händler:innen melden sich mit einem Plan bei uns. Ein neuer Marktplatz steht an oder eine zweite Marke kommt dazu. Die bisherige Lösung hat bis gestern gereicht. Für den nächsten Schritt aber reicht sie nicht mehr.

Der Geschäftsführer eines B2B-Großhandel mit rund 3 Mio. € Umsatz sagt: "Wir sind relativ stark gewachsen im letzten Jahr und davor war das quasi in Ordnung mit Excel und einem Rechnungsprogramm zu arbeiten. Jetzt wird es langsam, es reicht an die Grenzen."

Ein anderer Händler verkauft 4.000 Artikel auf fünf Marktplätzen und pflegt jeden einzeln: "Dann komme ich ja gar nicht hinterher."

An diesen Stellen kippt die bisherige Lösung:

  • Du willst auf Amazon, Kaufland, Otto oder eBay verkaufen und pflegst Bestände in jedem Kanal einzeln.

  • Du übernimmst eine zweite Marke und brauchst getrennte Zahlen.

  • Du legst B2B-Aufträge von Hand an, weil dein Shop nur B2C kann.

  • Du lieferst ins Ausland und rechnest Steuersätze in Tabellen.

Betriebe nennen fast immer ein konkretes Wachstumsziel. Um eingesparte Stunden geht es selten. Sie kaufen eine Warenwirtschaft, damit der nächste Schritt möglich wird.

3. Dein System läuft aus oder schafft die E-Rechnung nicht 

Manchmal entscheidet ein Datum: Der Hersteller beendet den Support für deine Software oder eine neue Pflicht kommt, die dein altes System nicht abbildet.

Für viele Betriebe ist die E-Rechnung so ein Datum. Seit 2025 musst du E-Rechnungen von Geschäftskund:innen empfangen können. Ab dem 1. Januar 2027 musst du sie selbst versenden, wenn dein Vorjahresumsatz über 800.000 € liegt. Ab 2028 gilt das für alle Betriebe im B2B.

Du solltest rückwärts planen. Leg fest, wann das neue System laufen muss. Rechne dann die Zeit für Auswahl und Datenübernahme davor.

Lieblingsstück arbeitete nach 18 Tagen mit Xentral und lieferte in den ersten Wochen rund 800 Aufträge aus. PetRhein brauchte 6 Wochen. Wer im Dezember anfängt, hat für den 1. Januar trotzdem zu wenig Puffer.

4. Dein Anbieter erhöht die Preise und du kannst nicht mehr kalkulieren 

26 Gespräche nennen eine Preiserhöhung ausdrücklich als Grund. Bei Betrieben, die zu Xentral wechseln, spielt sie trotzdem oft mit. Im Juni 2026 hatten 6 von 25 neuen Kund:innen gerade eine Preisänderung beim bisherigen Anbieter erlebt.

Den Ärger löst meist die fehlende Planbarkeit aus: „Man hat fast über Nacht die Preise verzehnfacht. Von 100 Euro auf 1.000 Euro im Monat. Man hat keine Grundlage mehr, das zu kalkulieren.“

Ein Händler für Schlafsysteme wollte zwei Shops ergänzen. Das ging nur im neuen Tarif: „Kostensteigerung von 100%. Also nach Verhandlungen schon.“ Dazu kam eine Umsatzbeteiligung ab einer bestimmten Grenze.

Prüf deinen Vertrag auf diese Punkte:

  • Steigt der Preis mit deinem Umsatz oder mit der Zahl deiner Aufträge?

  • Kostet jeder neue Shop, jeder Mandant oder jeder Kanal extra?

  • Darf der Anbieter Preise während der Laufzeit anpassen?

  • Was kosten Zusatzmodule, die du in 12 Monaten brauchst?

Lesetipp

Rechne die Antworten für die nächsten 2 Jahre durch. Wie sich die Kosten zusammensetzen, steht in unserem Artikel zu ERP-Kosten.

5. Eine Person geht und keiner weiß, wie der Ablauf funktioniert 

Eine Teamleiterin hat uns ihre Monatsauswertung beschrieben: „Seit 2018 gehe ich jeden Monat rein und schreibe rein, von welchem Produkt wie viel verkauft wurde. Es ist kein Spaß.“

Fällt diese Person aus, fehlt die Auswertung. Ein ERP hält die Abläufe im System fest. Neue Leute arbeiten dann mit denselben Daten wie alle anderen.

Das trifft auf dich zu, wenn:

  • es für wichtige Abläufe keine Beschreibung gibt außer „frag Lisa“,

  • der Urlaub einer einzelnen Person den Versand verzögert,

  • neue Kolleginnen Wochen brauchen, bis sie Aufträge allein bearbeiten,

  • Auswertungen nur entstehen, wenn eine bestimmte Person sie von Hand baut.

Wann sich ein ERP noch nicht lohnt 

Nicht jeder Shop braucht ein ERP. Arbeitest du allein, bedienst einen Kanal und hast wenige Aufträge im Monat, reicht oft ein Rechnungsprogramm mit Shop-Anbindung.

In unseren Gesprächen zeigt sich eine Untergrenze: Unter 100 Aufträgen im Monat empfinden viele Betriebe ein ERP als zu groß für ihren Bedarf.

Plane trotzdem voraus. Erwartest du in den nächsten 12 Monaten einen neuen Kanal oder deutlich mehr Aufträge, ist jetzt der bessere Zeitpunkt. Solange das Tagesgeschäft ruhig läuft, fällt die Einführung leichter.

Rechne nach, was dich das Warten kostet 

Viele Händler:innen vergleichen den ERP-Preis mit null. Dabei kostet deine bisherige Lösung auch Geld. Es steht nur auf keiner Rechnung.

Die Inhaberin einer Süßwaren-Manufaktur hat es im Gespräch so gerechnet: „Wenn ich die Klicks so reduziere, spare ich bei meiner Mitarbeiterin 50 Prozent ein.“

So rechnest du es für deinen Betrieb:

  1. Zähle eine Woche lang die Stunden für Abtippen, Abgleichen und Korrigieren.

  2. Multipliziere sie mit dem Stundensatz deines Teams.

  3. Rechne das auf 52 Wochen hoch.

  4. Addiere Fehlerkosten wie falsche Lieferungen und Überverkäufe.

  5. Stell das den ERP-Kosten pro Jahr gegenüber.

Ein Beispiel: 10 Stunden pro Woche zu 35 € ergeben 18.200 € im Jahr. Fehler und verpasstes Wachstum sind darin noch nicht enthalten.

Lesetipp

Mit unserem ROI-Rechner rechnest du das mit deinen eigenen Zahlen.

Die größte Sorge ist ein Projekt, das scheitert 

Viele Händler:innen wissen, dass ihre Lösung nicht mehr reicht. Sie zögern trotzdem. Meist haben sie von einer Einführung gehört, die schiefging, oder selbst eine erlebt.

Diese Sorge ist berechtigt. Mit diesen Regeln senkst du das Risiko:

  • Starte mit den Kernabläufen. Erst Aufträge und Bestand, Sonderfälle folgen in Phase 2.

  • Bereinige deine Stammdaten vor der Übernahme. Doppelte Artikel und alte Kund:innen gehören nicht ins neue System.

  • Teste mit echten Aufträgen. Lass alte und neue Abläufe eine kurze Zeit parallel laufen.

  • Setz ein festes Startdatum. Ohne Datum zieht sich jede Einführung.

7 Fragen zeigen, ob du jetzt wechseln solltest 

Beantworte jede Frage mit Ja oder Nein:

  1. Pflegst du Bestände in mehr als einer Datei oder einem System?

  2. Schreibst du Aufträge oder Rechnungen von Hand ab?

  3. Planst du in den nächsten 12 Monaten einen neuen Kanal, eine neue Marke oder B2B?

  4. Ist dein Software-Preis im letzten Jahr gestiegen, ohne dass du mehr bekommst?

  5. Endet der Support für dein System oder fehlt die E-Rechnung?

  6. Hängt ein wichtiger Ablauf an einer einzigen Person?

  7. Verbringt dein Team mehr als 5 Stunden pro Woche mit Abgleich und Korrektur?

Zwei oder mehr Ja: Rechne nach, was dich deine bisherige Lösung kostet.

Ein Ja: Behalte den Punkt im Blick. Mit dem nächsten Wachstumsschritt wird er größer.

Kein Ja: Deine Lösung trägt. Prüf die Fragen in 6 Monaten noch einmal.

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Häufig gestellte Fragen 

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Christoph Daniel, Xentral
Christoph Daniel
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