Kommissionierung im Lager: Wichtige Verfahren, Technologien und Optimierungsmöglichkeiten einfach erklärt
Wir zeigen dir, was du über Kommissionierung wissen musst, um deine Prozesse effizient zu optimieren.
Die Kommissionierung ist das Herzstück der Auftragsabwicklung und ein entscheidender Faktor, wenn es um Effizienz und Kundenzufriedenheit geht. In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die verschiedenen Kommissionierungsverfahren, ihre Bedeutung und die innovativen Technologien, die du für deine Prozesse nutzen kannst.
Was ist Kommissionierung?
Definition:
Kommissionierung bedeutet, Waren entsprechend dem Kundenauftrag aus dem Lager zu entnehmen und für den Versand vorzubereiten. Damit ist die Kommissionierung elementarer Bestandteil des Auftragsabwicklungsprozesses.
In der Praxis gleicht Kommissionierung also dem wöchentlichen Einkauf im Supermarkt: Die Einkaufsliste ist der Auftrag und der Supermarkt das Lager. Gehst du durch den Supermarkt, sammelst du Stück für Stück alle Posten des Einkaufszettels im Einkaufswagen. Anschließend transportierst du sie nach Hause – der Auftrag ist erfüllt.
Begriffsdefinition „Picken"
Das Entnehmen von Waren aus dem Lager wird bei der Kommissionierung als „picken" bezeichnet. Die Kommissionierer:innen, die die Waren entnehmen, heißen auch „Picker”.
Dabei ist es im echten Lager genau wie beim Einkaufen im Supermarkt: Die Zeit ist knapp und gelegentlich passieren Fehler. Zum Beispiel, weil etwas vergessen oder das falsche Produkt aus dem Regal genommen wurde. Beim privaten Einkauf ist das lediglich ärgerlich - für ein Unternehmen ist es ein wichtiger Erfolgsfaktor. Schließlich kostet eine ineffiziente Kommissionierung Zeit und Geld, genau wie fehlerhaft zusammengestellte Aufträge.
Ziele & Bedeutung der Kommissionierung
Kommissionierung hat das Ziel, den Auftrag effektiv und effizient abzuschließen. Dabei hat die Ausgestaltung der Kommissionierung Einfluss auf verschiedene erfolgsrelevante Kennzahlen deines Unternehmens. Dazu gehören insbesondere:
Lagerkosten: Eine optimierte Kommissionierung ermöglicht eine effizientere Lagerhaltung und reduziert dadurch die Lagerkosten.
Durchlaufzeiten von Kundenaufträgen: Je schneller ein Auftrag kommissioniert wird, desto kürzer ist die Durchlaufzeit eines Kundenauftrags.
Fehlerquoten: Eine funktionierende Kommissionierung reduziert Reklamationen, die durch falsch gepackte Aufträge verursacht wurden.
Kundenzufriedenheit: Jeder einzelne dieser Aspekte sorgt für zufriedenere Kunden.
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Kommissionierung verstehen: Die Basics
Im Kern ist der Ablauf in jedem Unternehmen gleich: Nachdem ein Kundenauftrag eingegangen ist, wird er an die Kommissionierung übergeben. Die Picker:innen entnehmen die Artikel des Auftrags dem Lager, verpacken sie und übergeben das fertige Paket an den Versand. Was hier nach einem schnellen Prozess klingt, kann in der Praxis einen hohen Zeit- und Arbeitsaufwand bedeuten. Der Aufwand unterteilt sich dabei in der Regel wie folgt:
Bezeichnung | Beschreibung | Zeitanteil im Kommissionierungsprozess |
Rüstzeit | Organisatorische Tätigkeiten wie die Auftragsübergabe, das Bereitstellen von Behältern etc. | ca. 5 bis 10 % |
Orientierung | Einen Überblick verschaffen, Lagerorte heraussuchen | 10 bis 30 % |
Wegzeit | Geh- oder Fahrzeit zwischen Lagerstelle und Übergabestelle | 30 bis 50 % |
Entnahme der Ware | Entnehmen der Ware aus der Lagerstelle | 5 bis 10 % |
Die Kommissionierungsverfahren im Überblick
Es gibt zahlreiche verschiedene Verfahren, Systeme und Technologien, mit denen du den Kommissionierungsprozess an dein Unternehmen anpassen kannst. Basis ist die Entscheidung für ein einstufiges oder mehrstufiges Kommissionierungsverfahren.
Einstufige Kommissionierungsverfahren
Bei der einstufigen Kommissionierung – auch Single-Order-Picking genannt – wird Auftrag für Auftrag kommissioniert. Erst, wenn ein Auftrag vollständig gepickt und gepackt wurde, beginnen die Kommissionierer:innen mit dem nächsten Auftrag.
Dabei lässt sich die einstufige Kommissionierung in zwei unterschiedliche Verfahren unterteilen:
1. Auftragsorientierte, serielle Kommissionierung
Bei der auftragsorientierten, seriellen Kommissionierung arbeiten die Kommissionierer:innen den Auftrag Stück für Stück von oben nach unten ab. Erst, wenn ein Artikel im Paket liegt, beginnt die Suche nach dem nächsten Artikel. Bei einem kleinen Lager kümmert sich in der Regel ein einzelner Picker bzw. eine einzelne Pickerin darum. Ist das Lager dagegen in mehrere Lagerzonen unterteilt, werden Auftrag und Paket von Zone zu Zone weitergegeben. Jeder beginnt erst mit dem Picken, wenn die vorige Zone fertig ist.
Vorteile | Nachteile |
Geringer organisatorischer Aufwand | Lange Durchlaufzeit |
Geringe Fehleranfälligkeit | Bei mehrzonigen Lagern ggf. Zwischenlagerstelle benötigt |
Kein zusätzliches Personal benötigt | Ungleichmäßige Auslastung der Kommissionierer:innen |
Die auftragsorientierte, serielle Kommissionierung ist vor allem für kleinere Unternehmen mit überschaubarem Lager geeignet, in denen die Durchlaufzeit von geringerer Bedeutung ist.
2. Auftragsorientierte, parallele Kommissionierung
Bei der auftragsorientierten, parallelen Kommissionierung wird der Auftrag gleichzeitig auf alle erforderlichen Zonen aufgeteilt. Dadurch arbeiten die Kommissionierer:innen zeitgleich an der Umsetzung. Die gepickten Waren werden dafür an einer zentralen Lagerstelle zwischengelagert, bevor sie von einem separaten Team-Mitglied gepackt werden. Im Anschluss erhalten alle beteiligten Picker:innen einen neuen Auftrag.
Vorteile | Nachteile |
Kürzere Durchlaufzeit | Zentrale Lagerstelle mit zusätzlichem Personal zum Packen erforderlich |
Verkürzung der Wegstrecken | Gute Organisation und Koordination erforderlich, idealerweise durch Lagerverwaltungssystem |
Gleichmäßigere Auslastung der Mitarbeitenden |
Die auftragsorientierte, parallele Kommissionierung ist vor allem für mittlere Unternehmen mit gut strukturiertem Lager geeignet. Für eine reibungslose Umsetzung sollte ein Lagerverwaltungssystem genutzt werden.
Mehrstufige Kommissionierungsverfahren
Die mehrstufige Kommissionierung wird auch „Two-stage Order-Picking“ genannt, weil sie den Kommissionierungsprozess in zwei Stufen unterteilt:
Gesammeltes Picken der Waren aus dem Lager
Packen der Waren an einem zentralen Ort
Das wichtigste mehrstufige Kommissionierungsverfahren ist die serienorientierte, parallele Kommissionierung.
Dafür werden zunächst mehrere Aufträge gesammelt und gleiche Waren in sogenannten Batches zusammengefasst. Jedes Batch wird als Gesamtheit aus dem Lager entnommen und zu einer zentralen Sammelstelle gebracht. Erst dort zerlegen Kommissionierer:innen die Batches, teilen sie den einzelnen Aufträgen zu und packen die Bestellung.
Ein weiteres Synonym der mehrstufigen Kommissionierung ist deswegen „Batch-Kommissionierung“.
Vorteile | Nachteile |
Kurze Durchlaufzeiten | Zusätzlicher Arbeitsschritt notwendig |
Verkürzung der Wegstrecken | Gute Organisation und Koordination erforderlich, idealerweise durch Lagerverwaltungssystem |
Weniger Zugriffe auf einzelne Lagerpositionen |
Die serienorientierte, parallele Kommissionierung ist vor allem für große Unternehmen, die viele Bestellungen erhalten, geeignet. Für eine reibungslose Umsetzung sollte ein Lagerverwaltungssystem genutzt werden.
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Optimierungsmöglichkeiten in der Kommissionierung
Es gibt mittlerweile verschiedene Ansätze und Systeme, um die Kommissionierung in deinem Unternehmen zu optimieren. Wir haben die Wichtigsten für dich zusammengefasst.
Optimierung durch ERP-Systeme
Ein Lager und die gesamte Kommissionierung vollständig manuell zu leiten, ist herausfordernd und ineffizient. Im schlimmsten Fall entsteht völliges Chaos. Das kann zu Lieferverzögerungen und ungeplanten Engpässen führen – zum Beispiel, wenn jemand den letzten Artikel aus dem Lager entnimmt, ohne eine Nachbestellung auszulösen.
Ein ERP-System hilft dir dabei, jederzeit den Überblick zu behalten – auch über das Lager und die Kommissionierung hinaus. Dafür ist das ERP-System in alle relevanten Geschäftsbereiche integriert. Dadurch ist nicht nur die Planung und Umsetzung der Kommissionierung deutlich effizienter, sondern auch eine automatische Bestandsüberwachung und Nachbestellung entsprechend dem Mindest- und Meldebestand möglich.
Zum Vergleich: Kommissionierer:innen, die beleghaft arbeiten, entnehmen im Schnitt etwa 150 bis 250 Waren pro Stunde aus Durchlaufregalen. Erfassen sie dank ERP-System alles digital, entnehmen sie beim gleichen Lagersystem im Schnitt bereits 350 bis 450 Waren pro Stunde.
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Automatisierte Warenbereitstellung nutzen
Die Warenbereitstellung bezieht sich darauf, wie die Waren zu den Kommissionierer:innen kommen. Dabei wird zwischen dem Person-zur-Ware-System und dem Ware-zur-Person-System unterschieden:
Beim Person-zur-Ware-System gehen oder fahren die Picker:innen zum Lagerort und entnehmen die Waren dort aus ihrem Lagerplatz. Das ist körperlich sehr anstrengend und verursacht hohe Wegzeiten. Ohne Software-Unterstützung muss das Lager dafür außerdem sinnvoll aufgebaut und sortiert sein.
Beim Ware-zur-Person-System werden die Waren zu den Kommissionierer:innen befördert. Sie können sie direkt an ihrem Arbeitsplatz entnehmen. Das reduziert die körperliche Anstrengung, spart Wegzeiten und ermöglicht auch die sogenannte chaotische Lagerhaltung.
Ein Lager auf das Ware-zur-Person-System umzustellen, erfordert allerdings eine technische Umrüstung des Lagers, zum Beispiel mit Fördertechnik oder mobilen Regalen. Das verursacht zu Beginn zwar hohe Investitionskosten, reduziert aber auf Dauer die Kosten der gesamten Kommissionierung.
Mehr Effizienz durch technologischen Innovationen
Mit den wachsenden Herausforderungen und dem Wandel hin zur Industrie 4.0 sind in den vergangenen Jahren auch viele Technologien zur Lagerkommissionierung auf den Markt gekommen. Dabei sind manche Technologien auch ohne hohe Investitionen umsetzbar. Vor allem die sogenannten „Pick-by“-Technologien lassen sich schnell implementieren und sorgen für eine deutliche Optimierung deines Lagers.
Dafür erhalten alle Artikel eine einzigartige Codierung, die mit allen zugehörigen Informationen in der Lagerverwaltungssoftware hinterlegt ist. Die „Pick-by“-Technologien helfen deinen Kommissionierer:innen dann auf unterschiedliche Arten, die Waren zu finden und zu entnehmen:
Pick-by-Scan: Über Handgeräte bekommen Kommissionierer:innen alle Informationen zum Artikel und dessen Standort. Sobald sie den Artikel entnommen haben, scannen sie ihn vor Ort ab. Dadurch aktualisieren sich sowohl der Auftrag als auch der Lagerbestand in Echtzeit.
Pick-by-Voice: Statt auf einem Handgerät bekommen die Kommissionierer:innen über Kopfhörer akustische Anweisungen zur Entnahme der Waren.
Pick-by-Vision: Die Kommissionierer:innen tragen eine Augmented Reality Brille und erhalten darüber alle Informationen zu den Waren und deren Lagerort. Ist auch der Warenscanner direkt in der Brille verbaut, entfällt das Handteil völlig.
Pick-by-Light: Am Lagerplatz der Waren zeigen Lichtsignale an, welche und wie viele Artikel als nächstes gepickt werden müssen.
Alle Pick-by-Technologien ermöglichen verkürzte Orientierungs- und Wegzeiten, da sie automatisch die optimale Picking-Route durch das Lager anzeigen.
Die Pick-by-Paper Methode bezeichnet übrigens die Basisvariante für die Kommissionierung, die auf die manuelle Verarbeitung von Packzetteln, Etiketten sowie Greif- oder Packlisten setzt.
Fazit: Die Kombination aus Verfahren, Software und neuen Technologien macht Kommissionierung immer effizienter
Der gestiegene Wettbewerbsdruck, wachsende Kundenerwartungen und die sinkende Zahl der verfügbaren Arbeitskräfte erhöhen die Relevanz der Kommissionierung. Schließlich gilt es – insbesondere im e-Commerce – auch bei gesteigertem Auftragsvolumen wie an Black Friday wettbewerbsfähig zu bleiben. Und der Trend hält an.
Deswegen ist es sinnvoll, alte Prozesse und Picking-Methoden zu hinterfragen und das Potenzial der Automatisierung und Digitalisierung im Lager zu nutzen. Neben neuen ERP-Systemen und innovativen Picking-Technologien geht es dabei auch darum, die Lagerhaltung und Kommissionierung immer effizienter und reibungsloser zu gestalten.
Bei Xentral setzen wir auf eine praxisorientierte Lösung, die darauf abzielt, die Kommissionierung mit deinem ERP-System so einfach und effizient wie möglich zu machen – ohne den Einsatz von Künstlicher Intelligenz oder Machine Learning.
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Häufige Fragen: FAQ
Um Pick-by-Vision zu nutzen, benötigst du neben der technologischen Infrastruktur (AR-Brillen, Software, WLAN-Abdeckung) auch eine passende Datenbankanbindung.
Während die manuelle Kommissionierung von Mitarbeitenden durchgeführt wird, übernehmen Software und Roboter bei der automatisierten Kommissionierung viele Standard-Aufgaben. Um die Vorteile einer automatisierten Kommissionierung (z.B. Effizienz, kürzere Durchlaufzeiten, geringere Lagerhaltungskosten) zu nutzen, ist jedoch nicht unbedingt eine vollständige Automatisierung notwendig. Es lohnt sich bereits, einzelne Prozesse zu automatisieren.
Deine Mitarbeitenden sind entscheidender Faktor für die Effizienz der Kommissionierung. Damit alles reibungslos funktioniert, müssen sie mit dem Prozess, den einzelnen Systemen und natürlich deiner Lagerhaltung vertraut sein. Dafür sind spezielle Schulungen unverzichtbar.
Insbesondere die manuelle Kommissionierung ist anfällig für Fehler. Sowohl ERP-Systeme und spezielle Lagerhaltungsprogramme als auch innovative Technologien wie die „Pick-by“-Technologie helfen dir dabei, Fehler zu vermeiden und den gesamten Prozess effizienter zu gestalten.
Moderne Kommissionierungsmethoden helfen in vielerlei Hinsicht dabei, die Umwelt zu schonen. Dazu gehören unter anderem die Reduzierung der Rücksendungen und die Optimierung der Lagerhaltung. Du reduzierst unnötige Transportwege und musst – insbesondere in der Lebensmittelbranche – weniger Waren entsorgen.
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