Das Ende der Lieferschwellen, der Anfang des One-Stop-Shop (OSS)

KMU Stop Lieferschwelle

18. Juli 2022

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One Stop Shop Xentral

Lieferschwellen: hoher Aufwand bis zum 30.06.2021

Grenzüberschreitende Lieferungen an Endverbraucher innerhalb der EU können so lange in dem Land versteuert werden, aus dem diese versendet werden, bis die Lieferschwelle des Bestimmungslandes – dort wo der Käufer sitzt – überschritten wird.

Lieferschwellen gelten immer pro EU-Staat und betragen für die meisten EU-Staaten 35.000 Euro netto pro Kalenderjahr. Es gibt nur drei EU-Staaten, die einen Wert von 100.000 Euro aufweisen: die Niederlande, Luxemburg und Deutschland.

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Spätestens mit dem Überschreiten der Lieferschwelle verlagert sich die Umsatzsteuerpflicht aus dem Ursprungs- in das Bestimmungsland.

Warum stellt das für viele Händler eine große Hürde dar?

  • Die Bandbreite der Steuersätze in der EU variiert sehr stark und ändert sich regelmäßig. Es ist daher nicht so einfach, für jedes Produkt und jeden EU-Staat den richtigen Steuersatz im Ausland zu bestimmen.
  • Mit Überschreiten der Lieferschwelle – am besten schon vorher – muss man sich bei dem zuständigen Finanzamt im Ausland steuerlich registrieren. Häufig ist das noch nicht online und meistens nur in der Landessprache möglich.
  • Anschließend müssen laufend Umsatzsteuer-Erklärungen abgeben und die Umsatzsteuer im Ausland abgeführt werden. Die Formen und Fristen zwischen den einzelnen EU-Staaten variieren dabei sehr stark.

Diese Aspekte – und noch mehr – verursachen Kosten und sind häufig nur schwer über die Unternehmensprozesse automatisiert abzubilden.

Aus diesem Grund soll ab dem 1.7.2021 die genannte Systematik grundlegend reformiert werden.

One-Stop-Shop: Wird alles einfacher ab dem 1.7.2021?

Ab dem 1.7.2021 werden die jeweiligen Lieferschwellen aller EU-Staaten wegfallen. An deren Stelle tritt ein einziger EU-weiter Schwellenwert in Höhe von 10.000 Euro netto.

Das bedeutet, dass grenzüberschreitende Lieferungen an Endverbraucher innerhalb der EU ab dem 1.7.2021 (fast) immer im Ausland versteuert werden müssen.

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Das wird dazu führen, dass sehr viel mehr Onlinehändler in weiteren EU-Staaten steuerpflichtig werden als das bislang der Fall war.

Damit sich diese aber nicht in jedem EU-Staat, in das sie auch nur ein Paket verschicken, einen Steuerberater suchen müssen, geht die Reform mit einer technologischen Vereinfachung einher: dem One-Stop-Shop (OSS).

One-Stop-Shop: Wie funktioniert das?

Der OSS ist eine Schnittstelle, welche die Finanzverwaltung bereitstellen wird. In Deutschland erfolgt das durch das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt).

Onlinehändler, die aufgrund ihrer grenzüberschreitenden B2C-Verkäufe zukünftig in anderen EU-Staaten steuerpflichtig sind, können ihre Umsätze dann über den OSS melden und darüber auch ihre Umsatzsteuerschuld bezahlen. Von dort werden diese Informationen und auch die bezahlte Umsatzsteuer weiter an die jeweiligen EU-Staaten geleitet.

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Im Folgenden werden ein paar Rahmenbedingungen bzw. Anreize aufgeführt, die der Gesetzgeber geschaffen hat, damit möglichst viele Händler den OSS nutzen.

  • Wer seine grenzüberschreitenden B2C-Lieferungen über den One-Stop-Shop meldet, muss keine Rechnungen mehr für diese Lieferungen ausstellen.
  • Der Meldezeitraum ist immer das Quartal.
  • Die Zahlungsfrist beträgt 30 Tage nach Ablauf des Meldezeitraums.

Nicht alle Händler werden aber in Gänze vom OSS profitieren.

Amazon Pan EU & Co.: nicht kompatibel mit dem OSS

Händler die an den Amazon-Programmen Pan EU oder Mitteleuropa (CEE) teilnehmen, bei denen die eigenen Produkte auch in ausländische Fulfillment-Center verbracht werden, werden von den Vorteilen des OSS nur teilweise profitieren.

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Insbesondere das Verbringen der Produkte in die ausländischen Fulfillment-Center muss sowohl im Ursprungs- als auch Bestimmungsland gemeldet werden. Aus umsatzsteuerlicher Sicht wird im Ursprungsland eine sogenannte innergemeinschaftliche Verbringung und im Bestimmungsland ein innergemeinschaftlicher Erwerb getätigt. Diese Transaktionen müssen zwingend den Finanzbehörden im In- und Ausla